Frohe Ostern
aus Ghana von Verena Knofe
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Frohe Ostern aus Ghana!

Ein normales Ostern. Osternacht mit Osterfeuer, außergewöhnlich lange in der Kirche sitzen, prall gefüllte Osterkörbchen mit Osterlämmern, Ostereiern, Osterschinken und anderen Köstlichkeiten, die beim Osterfrühstück verzehrt werden, eine schöne Osterkerze mit dem Osterfeuer nach Hause tragen, die Ostermüdigkeit, weil man schon vor 5 Uhr das Haus verlassen hat und Geschenke, die der Osterhase besonders gut versteckt hat. All das und noch viel mehr gehört zu einem normalen Ostern dazu.

Dieses Jahr war das für mich ein bisschen anders, ein bisschen „unnormaler“, aber schließlich befinde ich mich auch mehrere tausend Kilometer von meiner Heimatpfarrei entfernt in Odumase in Ghana, da kann Ostern schon mal ein bisschen anders ausfallen.

Ich möchte euch aber nicht nur vom Ostersonntag berichten, ich fange am besten ein bisschen früher an, schließlich ist ja alles ein bisschen anders für mich dieses Jahr. Wie lange die Fastenzeit eigentlich ist, das merkt man im Normalfall, wenn man seine Süßigkeiten, sein Fleisch oder auf was auch immer man sonst verzichtet schön langsam vermisst. Gefastet habe ich dieses Jahr nicht wirklich, ich habe zwar begonnen, allerdings fiel es mir sehr schwer durchzuhalten, verzichte ich immerhin dauerhaft auf Milchprodukte, Brot, Semmeln und so viel mehr. Auch die Brüder und Patres, mit denen ich zusammen lebe, haben das mit der Fastenzeit nicht so genau genommen - in der „fleischfreien Woche“ gab es glaube ich 6-mal Hähnchen. Meine Jungs wollte ich selbst entscheiden lassen, ob sie fasten wollen, oder nicht. Auf irgendein Essen zu fasten kam für sie nicht in frage, dafür haben wir bei einer Abstimmung beschlossen wochenweise auf klauen, schlagen und beschimpfen zu verzichten. Ich war wirklich baff erstaunt, die Vorschläge stammten nämlich nicht von mir sondern kamen von den Jungs selbst. Überall im ganzen Haus habe ich Zettel aufgehängt, die die Jungs an ihre guten Vorsätze erinnern sollten - leider mit eher geringem Erfolg, aber wie sagt man so schön, der Gedanke zählt.

Erst an Ostern wurde mir bewusst, was ich während der Fastenzeit wirklich vermisst habe. Das erste Halleluja nach 40 Tagen Halleluja-freien Morgen- und Abendgebeten war genial!

Während den Osterfeiertagen war ich noch mehr in der Kirche als sonst eh schon -also eigentlich fast durchgehend. Meine Jungs hatten von Gründonnerstag bis Ostermontag keine Schule. Ich hatte wirklich Bedenken, wie wir die Rabauken 5 Tage lang beschäftigen, aber meine Kollegen versicherten mir, dass alleine das normale Kirchenprogramm ausreichen wird und so war es dann auch. Am Gründonnerstag sind wir alle gemeinsam (meine Eltern, die mich hier besucht haben, waren auch dabei) in die Kirche zum Abendgottesdienst gegangen, mit Fußwaschung und letztem Abendmahl. Gottesdienste in Ghana dauern ein bisschen länger als unsere Gottesdienste zu Hause, unter zwei Stunden geht da gar nichts. Noch dazu beginnt ein Gottesdienst der auf sieben Uhr angelegt ist noch lange nicht um sieben Uhr. So saßen wir bis ziemlich spät Abends in der Kirche und ich war ganz froh, dass die kleinsten Jungs mit einem Betreuer zu Hause geblieben sind. Karfreitag war mein persönliches Highlight der Feiertage. Am Vormittag sind wir wieder in der Kirche gewesen, wobei wir nur ganz kurz wirklich IN der Kirche waren. Helena und Ich waren nicht gerade wenig verwirrt, was da genau passiert. Eine Gruppe Jugendlicher stand verkleidet am Altar - kein Pfarrer weit und breit und nach Kreuzweg (wozu wir eigentlich gekommen sind), sah das auch nicht wirklich aus. Wir haben schnell verstanden, dass das letzte Abendmahl nachgespielt wird, aber warum das Ganze? Erst als die ganze Kirchengemeinde nach draußen auf den Vorplatz gehen sollte, wo die Jugendlichen das Schauspiel fortführten, fiel schön langsam der Groschen: Am Karfreitag gibt es einen ganz besonderen Kreuzweg, nämlich einen mit komplett nachgespielten Kreuzstationen. Da auch kleine Kinder da waren fand ich es fast ein bisschen arg authentisch nachgespielt, mit fesseln, auspeitschen, einem echten Holzkreuz und zuletzt hingen dann tatsächlich drei Menschen am Kreuz. Es war auf jeden Fall eine wahnsinnige Erfahrung. (Wahnsinn auch bei 35 Grad in der prallen Sonne einen fast zweistündigen Kreuzweg zu gehen.) Am Nachmittag sind wir in eines der umliegenden Villages gefahren, dass sich eine gute Stunde von der nächsten geteerten Straße entfernt befindet und stark in der Entwicklungsphase steckt (neue Schule, neue Kirche, neue Versammlungshalle, neue Solaranlage und sogar ein kleines Krankenhaus werden gerade in Betrieb genommen). Die Villages sehen so aus, wie man sich Afrika klischeehaft vorstellt - die Menschen leben in Lehmhütten, es gibt weder fließend Wasser noch Strom, dafür umso mehr Kinder überall. Da ich in keinem Village lebe - selbst in Odumase, was eher ein größeres Dorf ist, wird ziemlich durchgehend mit Ziegeln gebaut, bzw. alte Frachtcontainer als kleine Straßenläden verwendet - bekomme ich dieses ländliche Ghana nur recht selten zu Gesicht. In Tainso (so heißt das Village, in dem wir am Karfreitag waren) gab es nochmal einen Kreuzweg, allerdings einen „weniger spektakulären“ (ohne Schauspiel) quer durch die Siedlung. Danach waren wir noch gut 2 Stunden in der Kirche. Da die Lesungen leider durchwegs auf Twi waren, war das für meine Familie nicht so spannend (und auch für mich eher unmöglich zu folgen).

Am Karsamstag haben wir den Jungs im Boys Home die Passion Christi gezeigt (und zwar die Version von Mel Gibson, die gerade für die Kleinen schon ein wenig grenzwertig ist, meiner Meinung nach). Danach war stillschweigen und nachdenken angesagt - bei ein paar Jungs hatte ich tatsächlich das Gefühl, dass sie das Ganze ganz schön bewegt hat und ein paar waren schon auch einigermaßen mitgenommen. Der Glaube ist hier sehr tief in den Menschen verankert und auch meine Jungs nehmen das Beten sehr ernst. Nachdem wir am Nachmittag „stillschweigend“ ein paar Spiele gespielt hatten (wäre ja sonst schon ziemlich langweilig geworden oder?) sind wir am Abend alle zusammen in die Kirche zum Osterfeuer und anschließenden Gottesdienst. Osternacht ist hier schon am Samstagabend, nicht wie bei uns am Ostermorgen. Es ist ein wenig seltsam bei immer noch um die 30 Grad ein großes Feuer zu machen und sich darum zu versammeln, aber es war auch eine sehr schöne Atmosphäre, als sich in der ganzen Gemeinde schön langsam das Osterfeuer auf die Kerzen verteilte. Nach einem kurzen Umzug sind wir dann in die Kirche eingezogen, wo die Osternacht inklusive Taufe stattfand. Ich war während dem Gottesdienst hauptsächlich damit beschäftigt, die ganzen Kinder um mich herum böse anzuschauen, die Kerzenwachs nicht nur auf ihren Händen sondern auch auf den Klamotten, Bänken und dem Boden verteilt haben…Die Messe war eh fast durchgehend in Twi und so für uns ein bisschen langweilig (Gott sei Dank sind unsere normalen Messen alle in Englisch).

Ostern an sich war super! Nach einer -wie auch anders- doofen Twi-Messe haben wir alle gemeinsam in der Kommunität gefrühstückt. Das war dank meiner Mama schon fast ein richtiges Osterfrühstück: Mit Osterzopf und gefärbten Eiern habe ich fast nichts vermisst (ich hatte sogar Käääääse!!!). Anschließend bin ich dann so unauffällig wie möglich mit einer Tasche voll Ostereiern ins Boys Home und habe versucht alle Eier zu verstecken, bevor die Jungs alle Eier schon wieder gefunden haben (da hilft reden überhaupt nichts - die Neugierde ist stärker, als die Aufforderung sich in der Mehrzweckhalle zu versammeln und gefälligst NICHT nach irgendwas zu suchen).

Nachdem dann das offizielle Kommando zum Eier suchen kam (meine Familie war bis dahin auch nachgekommen), gab es kein Halten mehr: Klein und Groß hat gleichermaßen jeden Winkel durchsucht und obwohl ich dachte, wirklich gute Verstecke gefunden zu haben, waren alle Eier in weniger als 10 Minuten bei den richtigen Besitzern. Die Jungs kannten bis dahin keine Ostereier und waren von der Färbung sichtlich irritiert. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie die Stimmung euphorisch wurde, als ich erklärte, dass es sich um „normale“ gekochte Eier handelt, die man -JA- essen kann und darf. Die Freude war riesig, Eier gibt es nämlich nicht alle Tage.

Anschließend hat meine Familie dann noch die Hirschvogel-Kugelschreiber und kleine Schokohasen als Ostergeschenke verteilt. Bei meinem Papa gab es dann noch ein ganz besonderes Geschenk: Zur Auswahl standen kleine Gummifußbälle und Badeenten (beides ebenfalls eine Hirschvogelspende), die mein Papa nach dem Prinzip „Such dir eine Hand aus“ verteilt hat. Meine Jungs sind, wie schon erwähnt eingefleischte Fußballfans und so taten mir die super coolen Badeenten fast schon ein bisschen leid, da sie eher als Niete entgegengenommen wurden. Nicht mal die Tatsache, dass man mit den Enten andere nass spritzen kann, konnte da an der leichten Enttäuschung etwas ändern. Da wären wir dann mal wieder beim Thema Dankbarkeit angelangt. Es ist wirklich nicht einfach so etwas „anzutrainieren“.

Am Ostermontag haben sich alle umliegenden Gemeinden und Jugendgruppen (Oratories) ein bisschen außerhalb von Odumase, in einem der Villages zum Osterpicknick getroffen. Es waren extrem viele Menschen und noch mehr Kinder da, es gab Spiele, es wurde getanzt und die Kinder hatten eine meega Gaudi. Picknick heißt das ganze, weil jede einzelne Gruppe ihr Essen selbst mitgebracht hat bzw. viele haben einfach ihre halbe Küche eingepackt und dann vor Ort gekocht. Das Essen wurde theoretisch innerhalb der Gruppen ausgegeben, allerdings wurde natürlich auch wild durcheinander getauscht und egal an wem man vorbeigelaufen ist, überall wurde man zum essen eingeladen oder zumindest zu einer kleinen Kostprobe. Einen Essenswettbewerb gab es anscheinend auch, ich habe allerdings nicht mitbekommen, wer das beste Essen hatte. Team Boys Home hatte ziemlich „gewöhnliches“ Essen dabei: gebratenen Tomatenreis. Besonders wurde es bei der Nachspeise. Zum einen wurde ein Kilo Gummibärchen verteilt, das von meiner Oma gespendet wurde und zum anderen hatten wir jede Menge selbst gemachte Kekse. Die Kekse habe ich gemeinsam mit den Jungs und meiner Mama noch am Gründonnerstag gebacken. Backen finden sie wirklich super! Die Begeisterung mir zu helfen, die Kekse alle auf die Bleche zu bekommen und dann zu backen, war ähnlich groß, wie schon bei den Plätzchen im Dezember. Ich bin mir sicher, dass ich noch mal mit ihnen backen werde.

Die Motivation der Jungs nach diesem ganzen Trubel wieder in die Schule zu gehen und Klassenarbeiten zu schreiben, war denkbar gering, darum herum gekommen sind sie aber trotzdem nicht. Am Dienstag sind alle wieder -mehr oder weniger- brav zur Tagesordnung übergegangen und die Ferien waren ja nur noch 2 Wochen entfernt, das geht dann schon.

Ich hoffe auch ihr habt die Feiertage gut rumgebracht und hattet ein schönes Ostern! Ich freue mich schon auf das nächste „stink normale“ Ostern zu Hause. 

Ganz liebe Grüße,

Eure Verena

 

P.S.: Aufgrund von Internetproblemen und Zeitmangel kommen meine Berichte ziemlich verspätet an, das tut mir leid!


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